Bevölkerung greift zur Selbsthilfe

Michael BERGER – 02.11.2015 – kurier.at |


Sicherheitsbranche boomt. Wachhunde immer beliebter, Schießkurse bestens gebucht, Alarmanlagen als Verkaufshit

Österreichs Bürger gehen auf Nummer sicher. Die aktuelle Flüchtlingsproblematik, steigende Einbruchskriminalität und der Verlust des subjektiven Sicherheitsgefühls lassen Tausende Bürger zur vorbeugenden Selbsthilfe greifen. Der KURIER fragte in der boomenden Sicherheitsbranche nach. Denn Privatdetekteien, Sicherheitsdienste, Handel und Gewerbe bis zu Hundetrainern – das Geschäft mit der Sicherheit freut sich über Umsatz­ und Auftragsrekorde.

Walter Pöchhacker, Chef einer der größten heimischen Detekteien, lässt hinter die Kulissen blicken: „Unser Unternehmen bietet Schießkurse an. Hier stieg die Nachfrage um 20 Prozent. Unsere Kunden wollen auch eine individuelle Bewaffnung. Wir liefern das maßgeschneiderte Paket.“ Der Trend zur Schusswaffe hat auch Frauen erreicht. Hier ist die Zahl stark ansteigend. Neben dem Umgang mit der Waffe wird weiters das richtige Verhalten im Ernstfall, etwa bei der Konfrontation mit einem Einbrecher, unterrichtet. Pöchhacker betont: „Wir spüren, dass die Menschen ängstlicher werden.“ Schießkurse sind bei vielen Anbietern auf Wochen ausgebucht.

Speziell in Ostösterreich rüstet die Bevölkerung auf. Beispiel Wien: Beantragten im August dieses Jahres zehn Personen eine Waffenbesitzkarte, waren es im Oktober 192. Auch Bezirkshauptmannschaften in NÖ und dem Burgenland bestätigen den Trend.


„Unsere Kunden wollen auch eine individuelle Bewaffnung. Wir bieten das Paket.“ Walter Pöchhacker, Privatdetektiv Legende



Lebende Alarmanlage
Und Hausbesitzer setzen verstärkt auf den Kauf sowie die professionelle Schulung ihrer Hunde. Oliver Schröder, ein mobiler Hundetrainer für den Osten des Landes, kann sich über mangelnde Aufträge nicht beschweren: „Familien, Senioren und Alleinstehende vertrauen plötzlich wieder dem Hund. Auch die Wahl der Rassen hat sich geändert. Statt etwa Boxer und Dackel stehen neuerdings Dogge, Labrador oder Rhodesian Ridgeback hoch im Kurs.“ Die Ausbildungskomponenten zum Bodyguard- sowie zum Familienschutz-Hund werden bevorzugt. „Und es werden viele Tiere aus Tierheimen geholt. Darunter auch Listenhunde wie Staffords. Schröder aber warnt: „Nicht jede Rasse ist als Wachhund geeignet.“

Parallel zur Hundeausbildung boomen in erster Linie Alarmanlagen. Reinhard Fruhwald, Produkt-Manager beim Elektronik-Riesen Conrad, erklärt: „Seit zwei Jahren ziehen diese Produkte wieder stark an. In den vergangenen Monaten waren die Do-it­yourself-Anlagen ein Hit. Die Bevölkerung setzt spürbar auf Sicherheit. Funkkomponenten, Bewegungsmelder und der Fensterschutz gehen bestens. Tendenz steigend. Auch weil viele Schritte über Smartphones und Tablets funktionieren. Schon ab 250 Euro kann man eine Wohnung sichern.“

Mindestens zehn Mal so teuer sind die Komponenten des Unternehmens Sicherheitspartner GmbH mit Sitz in Klosterneuburg (NÖ). Geschäftsführer Andreas Göttinger spricht trotz des Preisniveaus von einer „sehr hohen Nachfrage“: „Besitzer von teuren Immobilien lassen sich die Sicherheit ihrer Anwesen einiges kosten. Aber auch Industrieobjekte oder sogar Würstelstände werden mit modernster Technik auf­ gerüstet. Vor allem Einbruchs-Serien in der Nacht lösten das Sicherheitsdenken aus.“ Das Unternehmen sichert auch den Wiener Stephansdom. Die Kosten dafür wurden nicht verraten.

Doch die Branche kennt noch eine Steigerung. Der weltweit tätige Sicherheitsdienst Securitas bietet mobile Personenstreifen – etwa in Villenvierteln – an. Securitas­Prokurist Johann Laub geht ins Detail: „Wir fahren Streife in Wien-Döbling. Betuchte Kunden haben uns engagiert. Dabei begehen unsere Mitarbeiter, auch in der Dunkelheit, die Gärten. Denn massive Präsenz schreckt Einbrecher immer noch ab.“