Der Fall Natascha. Wenn Polizisten über Leichen gehen

Das erste „Kampusch-Buch“ …

… wurde von Berufsdetektiv Walter Pöchhacker bereits 2004 geschrieben. Also zwei Jahre, bevor Natascha Kampusch wie Phönix aus der Asche aufgetaucht ist. Es war der glücklichste Irrtum seines Lebens, nicht mehr daran geglaubt zu haben, dass Natascha nach ihrem spurlosen Verschwinden am 2. März 1998 noch am Leben sein könnte. Entgegen manch heutiger, heuchlerischer Beteuerungen gingen auch alle Polizisten von einem Mord oder Totschlag aus.

Die vehementen Forderungen des Detektivs, nach einer Vielzahl wahl- und planloser Grabungsaktionen nunmehr auch in einem ganz bestimmten Teich nach der Leiche zu graben, war 2001 ein Gebot der Stunde. Insbesondere deswegen, weil in einem Aufwaschen eine Reihe von Ermittlungspannen aufgezeigt wurden.

Das Motiv der Kriminalisten, sich jahrelang mit Händen und Füßen gegen eine ernsthafte Überprüfung dieser Indizienkette zu wehren, liegt auf der Hand: Sie befürchteten, von einem Detektiv bis auf die Knochen blamiert zu werden.

Die in diesem Buch gemachten Anschuldigungen gegen namentlich genannte Polizisten kommen einem Amtsmissbrauch gleich, die Vorwürfe gegen die Mutter Brigitta Sirny selbst sind auch nicht von schlechten Eltern. Nachdem sich kein Verlag getraut hatte das Buch zu veröffentlichen, wurde es im Eigenverlag realisiert. Das Interessante daran: Der Detektiv wurde niemals – von wem auch immer – deswegen belangt!

Dies ist umso bemerkenswerter, als selbst der frühere Präsident des Verfassungsgerichtshofes Ludwig Adamovich im Frühsommer 2009 in seiner damaligen Funktion als Leiter der Evaluierungskommission zur Causa Kampusch in drei Interviews(!) zu bedenken gegeben hatte, für Natascha Kampusch wäre die Zeit ihrer Gefangenschaft womöglich „allemal besser“ gewesen „als das, was sie davor erlebt hat“. Und deswegen prompt von Brigitta Sirny verklagt wurde.

Als „Weihnachtsgeschenk“ wurde der ehemalige Höchstrichter am 24. Dezember 2009 in erster Instanz wegen übler Nachrede zu 10.000 Euro (die Hälfte wurde bedingt nachgesehen, bei Nichtbezahlung drohten 50 Tage Ersatzfreiheitsstrafe) verurteilt. Am 22. Dezember 2010 wurde er vom Oberlandesgericht (OLG) freigesprochen.

Es sind wohl Gründe der Staatsräson, warum neun Jahre nach Erscheinen dieses Buches Priklopil endgültig als Einzeltäter abgestempelt wurde. Viele Insider vergleichen diesen Skandal mit dem Fall Lucona. Zu Recht!


Vierte Umschlagseite:

„Offiziell steht der Name der am 2.März 1998 mitten aus Wien „spurlos“ verschwundenen 10-jährigen Natascha Kampusch für einen der undurchsichtigsten Kriminalfälle Österreichs. Ein großes Rätsel oder gar ein Wunder, wie es die Polizei den Medien und der Bevölkerung unverdrossen vorgaukelt? Oder eine, wie von einem Privatdetektiv aufgezeigt, simple Beziehungstat, die innerhalb kürzester Zeit aufgeklärt hätte werden können?

Was in einem „Rechtsstaat“ wie Österreich passieren kann, wenn ein Detektiv im Alleingang geradezu haarsträubende Ermittlungsfehler der Ordnungshüter aufzeigt und auch die vermutlichen Täter samt dem möglichen Versteckt der Leiche präsentiert, wird den Leser vorerst in ungläubiges Staunen versetzen. Und letztlich hoffentlich in berechtigten Zorn, mit welch geradezu kriminell anmutenden Methoden selbst höchstrangige Vertreter der „Freunde und Helfer“ ihren Kopf retten wollen.

Das Buch ist die Chronik eines der größten Polizeiskandale der Zweiten Republik. Der Leser, und in letzter Konsequenz der Wähler, wird mitbestimmen, ob das Schicksal des Mädchens und die Strafverfolgung seiner Mörder dem Schein, unfehlbare Polizisten zu haben, unterzuordnen ist.“

Walter Pöchhacker.- Wien: Detektivagentur Pöchhacker GMBH, 2004 ISBN 3-200-00235-2

 

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