Eis-Baronin hatte Komplizen

Ulli KITTELBERGER – Printausgabe vom 10.06.2011 – Österreich < |


Nach Doppelmord filmreife Flucht

Verdacht: Zweite Leichte war Ex-Mann

Ihr Fall wird zum Thriller. Ganz Europa sucht die 32-jährige Estibaliz „Esti“ C. Sie ist buchstäblich vor den Augen der Polizei untergetaucht.

Wien. Sie ist wie vom Erdboden verschluckt: Estibaliz C., 32-jährige Besitzerin des Eissalons Schleckeria in Wien-Meidling. Seit Montagabend will die Polizei sie zum spektakulären Doppelmord im Keller des Hauses Oswaldgasse 1 (in dem Haus hat die Spanierin auch ihren Eisladen) befragen. Aber „Esti“, wie sie ihre Freunde nennen, ist weg. Jetzt sucht sie ganz Europa via internationalem Haftbefehl.

Estibaliz C., klein, fesch, skrupellos, ist verdächtig, einen Doppelmord begangen oder zumindest daran mitgewirkt zu haben (es gilt die Unschuldsvermutung). Leiche Nummer eins ist per DNA-Test identifiziert: Es handelt sich um Vertreter Manfred H. – den 47-jährigen Ex-Geliebten der Eis-Aronin. Er wurde erschossen, zerstückelt und in mehrere Mörtelwannen einbetoniert.

Seit gestern weiß man: „Der zweite Kopf, der im Keller gefunden wurde, gehört ebenfalls einem Mann“, bestätigte Polizeisprecher Mario Hejl. Furchtbarer Verdacht: Bei diesem Toten könnte es sich um Ex­Mann Holger H. handeln, mit dem Estibaliz 2005 nach Wien kam. H. ist in Deutschland derzeit unauffindbar. Vom Körper zum männlichen Kopf fehlt derzeit jede Spur.

Die Frage nacheinem Komplizen drängt sich auf
Die Pistole, die im Keller gefunden wurde, gilt jedenfalls als Frauenmodell: eine Beretta Kaliber 22. Daneben lagen noch ein Repetier- und ein kleinkalibriges Gewehr. Die Waffen eines Komplizen?

Der grausige Doppelmord wirft viele Fragen auf. Niemand will glauben, dass die zierliche Esti allein zwei Männer erschossen und zerteilt hat. Auch wenn es niemand offiziell bestätigen will: Die Polizei fahndet nach einem Komplizen. Am brennendsten interessieren sich die Kriminalisten für „Estis“ Bruder, der laut Privatdetektiv Walter Pöchhacker seine Schwester in Wien besucht hatte. Kurze Zeit später verschwand Ernst H.

Spurensicherung stellte PC mit Bildern sicher
Auch andere Keller der Verdächtigen könnten jetzt durchsucht werden. Schließlich wohnte sie auch in einem Haus in der Oswaldgasse und in Breitenfurt bei Wien.
Am Donnerstag rückte die Spurensicherung in der Schleckeria an: Ein PC mit Bildern aus der Überwachungskamera wurde beschlagnahmt … (kiu)

Kriminalist ist seit 2010 Estis Freund

Polizist schrieb Esti auf Facebook

Nach ÖSTERREICH-Anfrage untersucht das „Büro für besondere Ermittlungen“ die Angelegenheit.

Facebook. „Esti, ich würde es für gut halten, wenn du dich so schnell es geht mit mir in Verbindung setzt. „Das schrieb ein Abteilungsinspektor des Landeskriminalamtes am Mittwoch, um 13.34 Uhr, auf die Facebook-Pinnwand von Estibaliz C. Zu diesem Zeitpunkt suchte bereits das ganze Land Eis-Baronin „Esti“.

Liebe Grüße. Doch der lang gediente Beamte wollte auf eigene Faust Kontakt zu seiner Facebook-Freundin „Esti“ aufnehmen. Er kennt sie seit mehr als einem Jahr, gratulierte ihr auch am 6. September 2010 herzlichst zum Geburtstag. Sind das moderne Ermittlungsmethoden der Polizei? Oder wollte hier ein Freund seine Freundin schützen?

Sonderermittlung. Eine diesbezügliche ÖSTERREICH-Anfrage beim Landeskriminalamt sorgte Donnerstagnachmittag für Aufruhr bei der Polizeispitze. Sofort befragte das Büro für besondere Ermittlungen den Mann: „Er ist ein Bekannter der Gesuchten und wollte nur zu den Ermittlungen beitragen. Das war etwas unglücklich,“ bestätigt Sprecher Mario Hejl.