Männer erschossen und zerstückelt

Printausgabe vom 10.06.2011 – Oberösterreichische Nachrichten |


Jagd nach geflüchteter Spanierin

WIEN. Im Fall der zerstückelten Kellerleichen von Meidling haben Gerichtsmediziner neue Erkenntnisse gewonnen: Beide Opfer sind männlich, beide wurden mit Kopfschüssen hingerichtet. Die Fahndung nach einer verdächtigen Unternehmerin (32) aus Barcelona läuft auf Hochtouren.

Zwar sind die Identitäten der beiden erschossenen Männer noch nicht geklärt, denn deren Leichenteile waren so stark verwest, dass nur noch DNA-Tests die Personalien ermitteln können. Dennoch gehen die Kriminalisten davon aus, dass es sich bei dem Mann, dessen Körperteile in Mörtelwannen einbetoniert waren, um den gebürtigen Heiligenberger Manfred H. (47) handelt. „Die Angehörigen werden aber erst verständigt, wenn wir die hundertprozentige Sicherheit durch die Tests haben“, sagt ein Polizist.

Der Eismaschinenvertreter war bis zu seinem spurlosen Verschwinden Ende November 2010 mit der Spanierin Goidsargi Estibali C. (32) liiert, die jene Eisdiele betreibt, die sich in dem Wohnhaus in Wien­Meidling befindet, wo Arbeiter in einem Kellerabteil die zerstückelten sterblichen Überreste gefunden hatten.

Seit der Mordfall bekannt geworden ist, ist die 32-Jährige offenbar auf der Flucht. Für Dienstag hatte sie ein Flugticket nach Spanien gebucht, den Flug aber nicht angetreten. Was genau die Frau mit dem Mord an den beiden Männern zu tun hat, wird nun ermittelt. Dem Vernehmen nach bezweifelt die Polizei, dass die Spanierin die beiden Männer alleine erschossen, dann zerstückelt und die Leichenteile im Keller gelagert haben soll.

Auffällig ist. dass im Zeitraum des spurlosen Verschwindens des Oberösterreichers der Bruder der 32-jährigen Frau aus Barcelona in Wien auftauchte. Die Spurensicherung entdeckte in dem Kellerabteil – nun steht fest, dass es sich um das Abteil der Eisdiele handelt – auch zwei Präzisionsgewehre und eine Pistole. Doch die Spanierin besitzt keinen Waffenschein. Auch ein im Keller gefundenes Handy sei noch niemandem zuordenbar, heißt es von der Wiener Polizei.

Mittlerweile haben die Kriminalisten die Suche nach weiteren Leichenteilen in dem Kellerabteil abgeschlossen. Wie berichtet, wurde von einer der beiden Männerleichen lediglich der abgetrennte Kopf gefunden. Wo sich der restliche Körper befindet, ist unklar. Bei diesem Opfer könnte es sich um den Ex-Mann der Spanierin handeln, hieß es gestern aus Polizeikreisen. Nach der Frau wird international gefahndet.

3 FRAGEN AN – Walter Pöchhacker

Der Detektiv Walter Pöchhacker stand nach dem Verschwinden des Heiligenbergers Manfred H. (47) in Kontakt mit dessen Angehörigen. Diese hatten sich an den Privatermittler gewendet, weil die Polizei nur mäßig an dem Vermisstenfall interessiert war.

OON: Wie kamen Sie in Kontakt mit den Angehörigen von Manfred H.?
PÖCHHACKER: Seine Schwester kontaktierte mich, nachdem der Bruder spurlos verschwunden war. Er hatte sich zum Geburtstag der Mutter nicht gemeldet, was den Angehörigen verdächtig vorkam. Die Polizei nahm zwar die Abhängigkeitsanzeige auf, aber es hat sich danach nichts getan.

OÖN: Die Verwandten hatten nach dem spurlosen Verschwinden von H. an seine spanische Freundin im Verdacht?
PÖCHHACKER: Ja. Er hatte die Frau seinen Angehörigen vorgestellt. Er borgte der Frau einen großen Geldbetrag, 80.000 Euro bis 100.000 Euro. Als er verschwunden war, fragten die Angehörigen nach dem Geld. Auf diese Frage dürfte die Spanierin sehr merkwürdig reagiert haben.

OÖN: Vermuten Sie hinter dem Fall organisierte Kriminalität?
PÖCHHACKER: Indem Keller wurden ja Präzisionswaffen gefunden. Der Mann hatte Geschäftskontakte nach Italien und Russland. Mir hat es die Nackenhaare aufgestellt bei diesen Indizien.

Mögliche Motive

100.000 Euro geborgt

Noch steht die Identität der beiden Mordopfer nicht fest. weil die DNA­ Untersuchungen noch ausständig sind. Die Polizei hat aber die starke Vermutung, dass einer der Getöteten der Oberösterreicher Manfred H. (47) ist. Der gebürtige Heiligenberger ist ein gelernter Koch, der im Alter von 30 Jahren seinen Heimatort verließ und in Niederösterreich und Wien als Vertreter für Eismaschinen arbeitete.
Mit der verdächtigen Spanierin, die in Meidling eine Eisdiele betreibt, hatte er eine Beziehung. Der Mann verschwand im November 2010 spurlos. Er soll der Spanierin bis zu 100.000 Euro geliehen haben.